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Die Geschichte der Ehe
Die Überlegungen einer Verbindung waren meist praktischer oder im
Falle der Adligen auch machtpolitischer Art. Die Kinder waren dazu bestimmt,
das Werk ihrer Väter, ob nun Hof, Handwerk oder Titel weiterzuführen
und wenn möglich zu vermehren. So war man auch nicht abgeneigt, die
Gelegenheit einer Verheiratung zu wirtschaftlichen oder dem Ansehen dienenden
Vorteilen zu nutzen. Der verarmte Adlige konnte für seinen Titel
die Tochter des reichen Bürgerlichen gerne haben. Und der Hofbesitzer
hatte nichts gegen eine Heirat seines Sohnes mit der Tochter des Nachbarn,
wenn als Mitgift ein weiteres Stück Land zu seinem Besitz zählte.
Speziell in den Adelskreisen fand ein regelrechter Handel statt. Teilweise
wurden die Prinzen und Prinzessinnen wie Schachfiguren in der Welt herumgeschoben.
So fand sich Napoleons 20jährige Schwägerin Erzherzogin Leopoldine
von Österreich plötzlich in Brasilien wieder, als Trost nur
einen österreichischen Koch im Gefolge, weil Ihr Bräutigam,
Dom Petro, bald Kaiser von Brasilien werden sollte und somit ein interessanter
Thron zu ergattern war. So waren diese im wahrsten Sinne oft erst Kinder
machmal schon verheiratet, ohne den Ehegatten jemals zu Gesicht bekommen
zu haben und sie konnten nur hoffen, dass der Zukünftige wenigstens
ein bißchen ansehnlich war. (Oder sie mußten sich auf die
Berichte ihrer "Späher" verlassen, die ausgeschickt wurden,
um vorab die schlimmsten Übel auszuschließen).
Mit Liebe hatte das alles sehr wenig zu tun. Nicht dass die Menschen
sich nicht geliebt hätten, es spielte nur für die Eheschließung
keine Rolle. Sollten natürlich Zuneigung und Wirtschaftlichkeit zusammenpassen,
war das der Glückstreffer.
Trotz allem entstanden sicher auch gute eheliche Gemeinschaften, die
Rollen waren klar verteilt, die Ehe unauflöslich, also hat man sich
so gut es ging, in sein Schicksal ergeben und auf die Gewöhnung aneinander,
aber auch Harmonie und Freundschaft gesetzt. Noch unsere Großeltern
könnten der Meinung gewesen sein, dass die Liebe auf den ersten Blick
schnell vergeht, aber aus einer passenden Verbindung mit der Zeit Liebe
werden kann.
Wenn man die Entwicklung betrachtet, wird beispielsweise das Um-die-Hand-anhalten
in ein anderes Licht gerückt, bei dem der Vater um sein Einverständnis
zur Eheschließung gefragt wurde. Es ging weniger darum, ob dem Vater
das Gesicht des jungen Mannes gefiel als eben darum, seine Tochter möglichst
gut zu verheiraten.
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