Liebes Ehepaar
Zum Schluss noch ein paar Worte an Sie, liebes Ehepaar, nachdem Sie sich
tapfer durch alles geschlagen haben und vorher über den großen
Tag hinaus noch gar nicht denken konnten.
Aber vielleicht möchten Sie sich das durchlesen, wenn der Alltag
begonnen hat und Sie die Menükarten und die Rede des Schwiegervaters
einsortieren.
Mit der Hochzeit haben Sie sich für ein dauerhaftes Zusammensein
entschieden. Nun ist es aber nicht so, dass Sie das Thema damit abhaken
können und alles von jetzt an bis in alle Ewigkeit bleibt, wie es
ist, sondern eine Partnerschaft erfordert kontinuierliches daran arbeiten.
Vergessen Sie nie, dass sich zwei Individuen mit eigenen Vorstellungen,
Träumen und Zielen zusammengetan haben, die aber nicht miteinander
verschmelzen, sondern zwei eigenständige Persönlichkeiten bleiben,
die sich auch verändern werden. Jeder einzelne trifft fortwährend
Entscheidungen, verwirft Dinge, setzt neue Wichtigkeiten für sein
Leben. Wenn heute der Erfolg im Beruf im Vordergrund steht und jetzt alles
für die Karriere getan wird, so kann in ein paar Jahren etwas ganz
anderes von Bedeutung sein. Kinder werden auch Veränderungen in Ihr
Leben bringen. Achten Sie sorgfältig darauf, mit den neuen Gegebenheiten
gegenseitig Schritt zu halten.
Dazu ist notwendig, dass Sie nie den Gedankenaustausch über dem
Alltag vernachlässigen. Spätestens, wenn Sie sich dabei erwischen,
dass Sie nur noch über Rechnungen und wer wann wo sein muss sprechen,
ist ein Kinoabend fällig. Sie müssen wissen, was in dem anderen
vorgeht, also fragen Sie, ebenso müssen Sie sich selbst natürlich
auch weiterhin mitteilen. Wenn Sie Veränderungen bemerken, lassen
Sie nicht locker - am Anfang ist es nicht viel.
Nichts ist so tödlich für eine Ehe wie Dinge zu verschweigen;
es sind die nicht gesagten Dinge, die zu einem Zerwürfnis führen
können, nicht die offenliegenden. Riskieren Sie lieber eine deftige
Auseinandersetzung als dass Sie sich in Schweigen üben oder dem verletzten
Stolz den Vortritt lassen.
Wenn genörgelt wird, finden Sie heraus, was unter den Kritteleien
im Alltag liegt. Es sind nicht die Kleinigkeiten, nicht die Socken und
auch nicht die Zahnpastatube. Meist ist etwas geschehen, das der andere
vor Ihnen verbirgt oder sich nicht traut, Ihnen zu sagen und reagiert
dann gereizt. Greifen Sie die Rauchzeichen auf, bevor der Vulkan ausbricht.
Vertrauen und Offenheit sind die tragenden Pfeiler, dulden Sie nicht,
dass Sie abgesägt werden.
Wenn Sie sich streiten, dann bremsen Sie, bevor es unter die Gürtellinie
geht. Vorwürfe von Dingen, die im Vertrauen erzählt wurden,
sind sehr verletzend. Auch wenn man sehr ungezwungen miteinander umgeht
und der Partner am ehesten auch mal die Wut abbekommt, die man eigentlich
auf einen anderen hat, so sollte man dennoch nie den Respekt vor dem anderen
verlieren, oder besser gesagt, die Achtung.
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Wer den anderen liebt, läßt
ihn gelten, so wie er ist, wie er gewesen ist und wie er sein wird.
Michael Quoist
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Sie könnten es sich zur Regel machen, dass Sie keinen Tag im Streit
abschließen und beide immer zu einer Aussprache bereit sein sollten.
Eine empfehlenswerte Regelung wäre auch, dass Sie ausmachen, dass
die Sachen, die vorfallen, besprochen werden und dann vom Tisch sind.
Wenn einer eingesehen hat, dass es falsch war, was er getan oder gesagt
hat, dann sollte das nicht bei nächster Streitgelegenheit wieder
als Vorwurf vor seinen Füßen landen. Außerdem wiederholen
Sie sich dann ständig und jeder Streit sieht im Prinzip gleich aus
und endet immer gleich. Lassen Sie sich lieber etwas Schönes schenken
oder einen Gefallen tun, um den "Schaden" wieder gut zu machen.
Und dann ist es aber auch gut dafür.
Versuchen Sie zu verstehen. Sie haben genau diesen Menschen geheiratet,
weil er Sie verstanden hat und Sie ihn verstehen können. Das kann
so bleiben, aber nur wenn Sie Bescheid wissen, was im anderen vorgeht,
was er tut, was er persönlich durchmacht, worunter er leidet und
was ihn zum Lachen bringt. Wie gesagt, das ändert sich im Laufe der
Jahre. Sie können und müssen nicht in allem einer Meinung sein,
Sie werden Interessen haben oder entwickeln, mit denen der andere nichts
anfangen kann, aber Sie können Verständnis dafür aufbringen.
Lassen Sie nicht zu, dass eine außenstehende Person Ihre Zuneigung
zu Ihrem Partner mindert, indem sie ständig an ihm herummeckert und
hinter seinem Rücken schlecht über ihn spricht. Erzählen
sie es Ihrem Partner, sonst werden Sie sich irgendwann vergiftet mit diesen
Informationen im Streit wiederfinden, denn auch wenn sie noch so falsch
finden, was der Dritte sagt, mit der Zeit fangen Sie unter Umständen
an, es für möglich zu halten. Sagen Sie der außenstehenden
Person, dass sie damit aufhören soll.
Und noch etwas: Es gibt meistens für jeden einzelnen Dinge, die
ihm wichtig sind, die ihm etwas bedeuten. Nehmen wir einfach an, er ist
seit seinem 10. Lebensjahr ein Fan einer bestimmten Fußballmannschaft.
Es gehört einfach zu seinem Leben. Vieles hat sich verändert,
aber noch immer verfolgt er, wie es seinem Verein geht. Es ist vielleicht
in den Augen eines anderen kindisch, lächerlich oder übertrieben,
aber ihm bedeutet es einfach etwas. Er hat Freude daran.
Und sie sammelt vielleicht seit sie ein Kind ist, kleine Skulpturen.
Sagen wir, Elefanten. Sie mag einfach Elefanten, ob klein ob groß,
ob abstrakt oder naturgetreu. Es macht keinen Sinn und alles steht voller
Elefanten, aber sie wird weiter Elefanten kaufen oder sich schenken lassen,
einfach weil sie sie mag. Punkt.
Das sind Dinge, die Sie dem anderen einfach lassen müssen. Und wenn
es Ihnen noch so unsinnig, unlogisch und unvernünftig vorkommt. Es
mag unsinnig und unvernünftig sein. Sie sollten einfach die Freude,
die der andere ganz offensichtlich damit hat, respektieren und nicht daran
herummachen. Sie können es auch so betrachten, dass es den anderen
eigentlich sehr liebenswert macht.
So mag es die eine oder andere Sache geben, die Sie bei Ihrem Ehepartner
nicht nachvollziehen können.
Im Grunde fällt es unter die Rubrik Freiraum; ein bisschen Platz
für jeden selbst, den er auch so nützen kann, wie er möchte.
Sie können sehen, dass es dem anderen etwas bedeutet. Und das muss
reichen. Sie müssen ihm einfach glauben, wenn er ihnen klarzumachen
versucht, dass Comichefte ihn irgendwie ein bisschen glücklicher
machen oder Ordner voller Kochrezepte, die nie ausprobiert werden, trotzdem
ein gutes Gefühl geben. Das kann zu Diskussionen führen, die
lediglich darin enden, dass mindestens einer sauer ist. Diese Diskussionen
sind umso sinnloser, als Sie daran sowieso nichts ändern werden.
Wenn einer sich wirklich für etwas interessiert, dann interessiert
er sich dafür, ob Ihnen das passt oder nicht. Er wird dann die Comichefte
in der Garage stapeln, oder bei seinen Eltern. Aber er wird sie stapeln.
Bis es ihm vielleicht eines Tages zu langweilig wird, oder die Kochrezepte
plötzlich im Mülleimer liegen, weil derjenige von selbst entschieden
hat, dass er sie wirklich nicht braucht. Aber erzwingen können Sie
das nicht, sie verletzen nur damit.
Und der andere wird ein bisschen weniger offener sein. Er wird nicht
mehr darüber sprechen, weil es Sie nervt. Aber Sie haben natürlich
die Möglichkeit, darüber Vereinbarungen zu treffen, so dass
beide happy sind. Ein Fach im Regal für die Comichefte und eines
für die Kochrezepte.
Manche Eigenheiten finden Sie wahrscheinlich sehr liebenswürdig,
andere machen Sie vielleicht mit der Zeit verrückt. Aber Menschen
haben Eigenheiten und die richten sich bestimmt nicht nach dem Geschmack
anderer.
Ihnen sollte auch klar sein, dass Sie einen anderen Menschen nicht dazu
zwingen können, sich zu ändern. Er kann und wird dies nur aufgrund
eigener Einsicht tun. Manchmal wirkt es auch Wunder, wenn man bei sich
selbst etwas ändert. Und das liegt in Ihrer Hand.
Treffen sie einfach Vereinbarungen über die Dinge, die Ihnen in
Ihrem Zusammenleben begegnen, mit denen beide leben können.
Es gibt grundlegende Übereinstimmungen zwischen Ihnen, sonst würde
Ihre Beziehung nicht funktionieren. Seien Sie deshalb beruhigt: die Grundzüge
eines Charakters und seine Einstellung zu den wesentlichen Dingen des
Lebens verändern sich nicht sonderlich.
Und da ist auch noch die Liebe: Mit Ihrer tiefen Zuneigung zu dem anderen
können Sie ihm Kredit gewähren für Dinge, die er tut, mit
denen Sie nicht einverstanden sind. Dummheiten, die Sie ihm verzeihen
können, weil Sie seinen wahren Kern kennen. Sie wissen, er ist ein
anständiger Mensch, und jetzt hat er sich zu einer Dummheit hinreißen
lassen, deshalb werden Sie nicht gleich den Scheidungsanwalt anrufen.
Das Schöne an einer solchen Beziehung ist schließlich auch,
dass Sie eine Person Ihres Vertrauens gefunden haben. Jeder vertraut in
den anderen, dass er ihn als gesamten Menschen akzeptiert, dass er ihm
alles sagen kann, mit ihm über seine innersten Gedanken und Gefühle
sprechen kann, über die persönlichsten Dinge, aber auch über
Banalitäten und er weiß, dass Sie ihn dafür nicht weniger
mögen werden.
Wenn Sie dann noch nicht aufhören, dem anderen kleine Überraschungen
zu bereiten und ihm den einen oder anderen Wunsch schon erfüllt haben,
bevor er ihn überhaupt auf den Lippen hatte, können Sie der
Goldenen Hochzeit gelassen entgegen sehen.
Sie werden das schon schaffen!
Viel Freude miteinander - auf ewig.
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