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Mein Hochzeitsbuch
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Der Heiratsantrag

"Hast du schon mal Popcorn gemacht?" rief Philipp ins Schlafzimmer, wo sich Julia gerade feierabendmäßig umzog. Ihr Kopf erschien in der Küchentür.

"Ob ich was gemacht habe?" "Popcorn." Er grinste sie mit einer Tüte Maiskörner in der Hand an. "Nein, tut mir leid. Solche Spezialitäten kann ich nicht zubereiten."

Sie schaute ihn fragend an. "Wieso eigentlich Popcorn?" "Wieso nicht? Ich dachte, wir machen einen Kinoabend zu Hause, und da war ich ganz schnell bei Popcorn. Also lass mal sehen, ob etwas auf der Packung steht."

Julia holte sich Orangensaft aus dem Kühlschrank, lehnte sich dann gegen die Tür und meinte: "Ein Topf wäre nicht schlecht." Philipp murmelte ".....etwas Fett in einen Topf geben..." Julia wedelte mit einem Topf vor seinen Augen herum. "Topf. Sag ich doch."
Kurz darauf standen sie wie gebannt vor dem Herd. Philipp wollte immer den Deckel aufmachen. "Geduld, Philipp, wenn das auch nicht deine Stärke ist," grinste Julia und schlug ihm scherzhaft auf die Finger.

"Hast du das gehört?" Philipp strahlte wie eine Dreijähriger, als er es leise knallen hörte. Kurz darauf brach eine regelrechtes Maistoben im Topf aus und der Deckel fing bedenklich zu vibrieren an. Als wäre dies das Zeichen für seinen Einsatz, schnappte Philipp den Deckel und die weiße Pracht bahnte sich ihren Weg auf die Herdplatte, hüpfte auf den Boden und ins Spülbecken. Selbst als Julia den Topf schnell vom Herd zog, knallte und spuckte es noch weiter die köstlich duftenden Maisbällchen. Julia schaute Philipp an und fing an zu lachen. Sie schnappte sich eines davon und warf es auf Philipp, der noch leicht verdattert vor dem Wunderwerk der Natur stand. Das Popcorn hüpfte von seiner Brust. Er funktionierte wieder und griff auch nach einem. Schreiend und lachend waren sie alsbald in eine wunderbare Popcornschlacht verwickelt, nicht ohne sich zwischendurch die Dinger auch in den Mund zu stopfen.
Als die Küche schließlich aussah, als hätte es schwer gehagelt und sie sich vor Lachen die Bäuche halten mussten, kamen sie langsam zu Atem.

Sich auf die Knie stützend schaute Philipp zu Julia hoch. Tiefe Zuneigung stand ihm ins Gesicht geschrieben. Sie schüttelte den Kopf und fuhr sich durch die Haare, um die letzten Geschosse loszuwerden, da stand Philipp plötzlich ganz nah vor ihr, pflückte ein letztes Popcorn aus ihren langen, braunen Haaren und fragte: "Julia, möchtest du mich heiraten?" Julia brachte keinen Ton heraus, schlimmer noch, sie fühlte das Wasser in ihre Augen steigen. Vor ihr stand der Mann, den sie seit drei Jahren kannte, mit dem sie nun seit ein paar Monaten zusammen lebte, in einem Schlabber-T-Shirt, in der rechten Hand ein Popcorn als wäre es ein Diamant und fragte sie diese Frage. Er sah sie mit diesem unbeschreiblich vertrauensvollen Blick an....und sie war einfach sprachlos.

Um ihrer inneren Regung Herr zu werden, nahm sie das Popcorn, aß es und sagte: "Ja, das will ich gerne. Wie kann ich einem Mann, der solche Popcorn machen kann, etwas abschlagen?" Philipp war nun auch wirklich ergriffen und schloss sie tief ausatmend in die Arme. Sie ließen die restlichen Popcorn wo sie waren.

Als Julia am nächsten Morgen aufwachte, war sie sich nicht sicher, ob sie geträumt hatte, dennoch erwischte sie sich dabei, wie sie sich vorstellte, in einem wunderschönen weißen Brokatkleid aus einem schwarzglänzenden Auto zu steigen, während Philipp strahlend auf die Ankunft seiner Braut wartete. Außerdem verspürte sie den dringenden Wunsch, ihre Eltern anzurufen.

Aber die Vernunft siegte schnell. Sie wollte doch erst sichergehen, dass Philipp sich noch erinnerte, was er gestern zu ihr gesagt hatte. Sie fand ihn in der Küche in Shorts auf dem Küchenboden kriechend, mit dem Kehrbesen das Schlachtfeld säubern. Lächelnd schaute er auf und sagte: "Guten Morgen, Frau, hast du gut geschlafen?" "Dir ist also Ernst damit, ja?" "Und dir?" "Ich dachte, du würdest nie fragen und hatte mir schon ernsthaft überlegt, die Sache selbst in die Hand zu nehmen." "Dann bin ich aber sehr, sehr froh." Der Kehrbesen hinderte Philipp nun überhaupt nicht, seiner Julia den ersten Kuss als Verlobte zu geben. Das Gesicht noch in ihr Haar vergraben, flüsterte er: "Auf ewig."

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