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Es gibt noch etwas zu bedenken: Es soll schon vorgekommen sein, dass
die frischgebackenen Eheleute, oder zumindest einer von beiden, nach der
Hochzeit aus allen Wolken gefallen sind. Nicht weil sich herausstellte,
dass er schon zwei andere Frauen hat oder sie über Nacht 20 Kilo
zugelegt hat, gar nichts so Dramatisches. Vielmehr stellte sich oft im
Nachhinein heraus, dass jeder bestimmte Vorstellungen mit einer Ehe verbindet,
die aber nie ausgesprochen worden sind.
So könnte der eine davon ausgehen, dass der Wunsch zu heiraten bedeutet,
dass jetzt sofort eine Familie gegründet werden soll. Sie möchte
zwar auch Kinder, aber erst in ein paar Jahren. Oder sie nimmt automatisch
an, dass er jetzt nicht mehr Mittwoch abends mit seinen Kumpels weggeht,
sondern zuhause bleibt - sie sind ja jetzt verheiratet -, wobei das aber
die besprochen wurde. Oder der eine geht davon aus, dass sie nun eine
größere Wohnung suchen sollten, jetzt, so sie verheiratet sind.
Schließlich reichen nun die zwei Zimmer in der Studenten-Dachwohnung
nicht mehr aus. Für den einen war klar, dass sie in Zukunft ihr Geld
zusammen werfen würden. Für den anderen gilt die alte Regelung
noch immer. Möglicherweise erwartet er nun, dass sie den Haushalt
macht - ja, das dauert, bis das anders wird - sie wollte natürlich,
dass er auch Hand anlegt. Bisher hatte sie ihre Verwandten alleine besucht,
auf einmal soll er mitgehen. Einfach lauter solche Dinge, die für
den einen so sonnenklar und selbstverständlich sind, dass er gar
nicht auf die Idee kommt, sie auszusprechen, da er davon ausgeht, dass
sich das von selbst versteht. Ihnen kommt gar nicht in den Sinn, dass
der andere vielleicht anders darüber denken könnte.
Es erspart Ihnen viele Streitigkeiten, wenn Sie einfach herausfinden,
was der andere denkt. Sprechen Sie Ihre Vorstellungen aus! Sprechen Sie
auch aus, wenn sich gar nichts ändern soll - der andere denkt möglicherweise
anders darüber.
Anderer Kulturkreis
Noch wichtiger ist dies, wenn ein Partner aus einem anderen Kulturkreis
stammt und somit mit anderen Sitten und Grundsätzen aufgewachsen
ist. Dann empfiehlt es sich, sich gründlich über einzelne Themen
zu unterhalten, denn jeder kennt es so, wie er es gelernt hat und das
kann in diesem Fall sehr unterschiedlich sein und absolut nicht offensichtlich,
solange Sie beispielsweise zusammen zur Uni gehen, wohl aber, wenn es
um Ehe, Familie und Kindererziehung geht.
Mögliche Themen könnten sein:
- Kinder ja/nein, wann?
- Erziehung der Kinder?
- Wer übernimmt welche Aufgaben?
- Wie werden die Finanzen gehandhabt? Wer kümmert sich darum?
- Wohnraum/Ort? Würde einer dem anderen in eine andere Stadt folgen,
- falls es der Job verlangt?
- Wer gestaltet die Wohnung?
- Was macht jeder für sich selbst? Hobbys, Interessen?
- Eltern/Schwiegereltern?
- Wie wird die Hausarbeit aufgeteilt?
Es ist sicher auch nicht falsch, manches davon schriftlich zu machen.
Das heißt ja nicht, dass diese Dinge nie wieder verändert werden
können, wenn sich die Situation und eventuell auch die Einstellung
zu einer Sache verändert. Es geht eigentlich nur darum, dass jeder
weiß, was der andere denkt - und zwar über die Dinge, die Sie
möglicherweise in all den Gesprächen, die Sie sicher hatten,
gar nicht angesprochen haben. Jetzt ist es viel leichter, solche Sachen
abzuklären, als dann, wenn schon wutentbrannt Türen geknallt
wurden.
Zudem, wenn es gar nicht passt und auch nicht passend zu machen ist,
dann ist es besser, Ihre Entscheidung jetzt nochmals zu überdenken
als nach der Hochzeit.
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