Trauung und Feier

Hochzeitsbräuche und Traditionen

Brautjungfern und Brautführer

Sie begleiten das Brautpaar in die Kirche. Die Brautjungfern (früher unverheiratete Mädchen) trugen ein ähnliches Kleid wie die Braut, um die Geister zu verwirren, wer nun die Braut ist. Die Geister wollten das junge Glück nicht einfach zulassen. Heutzutage sind die Brautjungfernkleider nicht mehr weiß, sondern meistens alle in der (gleichen) Farbe, die zur Hochzeitsfarbe ernannt wird oder zu der die Hochzeitsdeko passt.

Über die Schwelle tragen

Die Braut durfte die Türschwelle nicht betreten, weil sie nicht mit den noch fremden Geistern des neuen Heimes in Berührung kommen sollte, die unter der Türschwelle lebten. Deshalb muss der Bräutigam sie auch heute noch darüber tragen, denn das bringt laut Brauch dem Brautpaar großes Glück.

Die Hochzeitskerze

Hochzeitsbrauch Hochzeitskerze

© Francois du Plessis – Fotolia

Die Hochzeitskerze, auch Traukerze genannt, ist ein Symbol für die Liebe des Brautpaars. Wie die Kerze, so soll auch ihre Liebe alles hell erleuchten und wärmen.

Sie gehört seit dem Mittelalter zu jeder Trauung. Die Kerzen sollen die Gebete um Glück und Segen zum Himmel tragen. Gleichzeitig vertrieb ihr Licht die bösen Geister.

Eine solche Kerze kann man natürlich auch fertig kaufen.

Aber wie wäre es damit, sie selbst zu gestalten? Wachsplättchen und Ornamente aus Wachs gibt es im Bastelgeschäft oder Kerzenfachhandel. Dann ist sie nicht nur das Symbol Ihrer Liebe zueinander, sondern auch gemeinsam „erschaffen“. Sie könnten die Hochzeitskerze noch jahrelang (z.B. immer am Hochzeitstag) anzünden oder als Friedensangebot nach einem Streit.

Brautraub/Brautentführung

Dies ist eine alte Sitte, die vielerorts auch noch in Anwendung ist. Freunde rauben die Braut und der Bräutigam muss sie finden und dann freikaufen. Eigentlich sollte die Braut aus dem Bann des Elternhauses befreit werden, um ihr damit den Übergang in die Familie ihres Mannes erleichtern.

Heute läuft eine Brautentführung meist so ab: Ein Freund entführt die Braut in ein anderes Lokal, von Hochzeitsgästen begleitet. Der Bräutigam muss die Braut auslösen, wenn er sie gefunden hat. Er muss eine Aufgabe erfüllen, vielleicht ein Lied singen oder einen Witz erzählen. Oder die Braut darf Forderungen an ihn stellen, wie etwa „Du musst die nächsten zwei Monate das Geschirr spülen.“ Natürlich muss der Bräutigam auch die Rechnung der Getränke übernehmen.

Bedenken Sie, dass Sie die Gäste unter Umständen eine lange Zeit sich selbst überlassen und eventuell Ihr Zeitplan durcheinander gerät. Wenn Sie das nicht möchten, dann sollten Sie vorher klarstellen, dass Sie keine Brautentführung wünschen. Oder Sie sagen zumindest, ab wann der Bräutigam einen guten Tipp bekommen sollte, damit sich dieser Brauch nicht zu einem stundenlangen Warten für die anderen Hochzeitsgäste entwickelt.

Fußtreten

Eine alte Sitte, dass der Bräutigam sich sein Regiment in der Ehe sichern wollte, indem er der Braut sofort nach der Trauung auf den Fuß tritt, wird heute so gebraucht, dass derjenige, der zuerst tritt, das Sagen haben soll.

Reiswerfen

Diese Sitte stammt aus Asien. Die Gäste bewarfen das Brautpaar beim Austritt aus der Kirche mit Reis und wünschten ihnen damit Fruchtbarkeit. Aber auch Blumen, Getreidekörner und Nüsse, als heimische Wachstumssymbole, wurden über das Paar geworfen. Heute wird wegen der Verunreinigung und auch der Tatsache, dass Nahrungsmittel weggeworfen werden, dieser Brauch nicht mehr überall auf Zustimmung stoßen. Sie können auch einfach Konfetti werfen.

Blumenkinder

Hochzeitsbrauch Blumenkinder

© Paul Fairhurst – Fotolia

Wenn das Brautpaar Blumenkinder bestellt hatte, dann war das traditionell gesehen ein Zeichen für den Wunsch nach vielen Kindern.

Die Blumen sollten auch den möglicherweise steinigen Weg in der Ehe ebnen und durch ihre Schönheit dem Glück und der Versöhnung den Weg bereiten.

Der Duft der Blumen sollte die Fruchbarkeitsgöttinnen anlocken.

Blechdosen am Auto

Die Blechdosen, die hinten ans Auto gebunden werden, sollen mit ihrem Lärm die bösen Geister vertreiben, die das Paar begleiten könnten. Das Hupkonzert des Autokonvois dient demselben Zweck.

Schleier abtanzen

Der Schleiertanz fand um Punkt Mitternacht statt, wenn die Braut in den Frauenstand überging. Ihr wurde der Schleier geraubt und in viele Stücke gerissen, die die Freundinnen und Brautjungfern bekamen, um etwas von ihrem Glück abzukriegen. Die Braut bekam danach die Fraubenhaube aufgesetzt. Wenn Sie diesen Brauch einbauen möchten, Ihren Schleier aber nicht zerrissen haben möchten, besorgen Sie sich am besten einen zweiten für diesen Zweck.

Es gibt 2 Variationen: Die Braut tanzt mit geschlossenen Augen, während die unverheirateten Frauen versuchen, ihr ein Stück des Schleiers zu entreissen. Diejenige, der das gelingt, wird als nächste vor den Traualtar treten. Hierbei bilden die Männer einen Kreis um die Braut, um sie zu schützen und die Frauen davon abzuhalten, in den Kreis einzudringen. Wird jedoch der Kreis durchbrochen, soll das ein Symbol für den Abschied der Jungfräulichkeit sein. Oder aber die Braut vollführt mit geschlossenen Augen den Schleiertanz zusammen mit allen unverheirateten Frauen. Wem die Braut den Schleier aufsetzt, wird als nächstes heiraten.

Wegsperre

Ein in vielen europäischen Ländern üblicher Brauch, bei dem sich der Bräutigam den Weg zum Fest erst freikaufen muss. Freunde und Kinder versperren mit Bändern, Schnüren oder Ketten den Weg. Der Bräutigam muss erst „bezahlen“, mit Geld oder Bonbons oder auch Getränken, um durchgelassen zu werden. Mitunter muss er auch ein Rätsel lösen. Damit soll der Bräutigam unter Beweis stellen, dass er es versteht, Schwierigkeiten anzupacken und die Hürden des Lebens zu nehmen und somit reif ist für die Ehe. Außerdem gehörte die Wegsperre zu den Übergangsriten, also Zeremonien, die den Übergang von einem Lebensabschnitt in einen neuen erleichtern sollten.

Something old, something new, something borrowed, something blue.

Something blue

© Monica Minford – Fotolia

Das ist ein alter englischer Brauch, der besagt, dass bei einer Hochzeit folgendes nicht fehlen darf: etwas Altes, etwas Neues, etwas Geborgtes und etwas Blaues.

Das Alte symbolisiert den vorehelichen Zustand, das Neue das bevorstehende Eheleben. Das Geliehene soll Glück bringen und ist ein Zeichen der Freundschaft und das Blaue soll für eine lange Dauer der Ehe sorgen und gilt als Symbol für die Treue.

Oft kommen diese Dinge von den Freunden beziehungsweise den Eltern oder Großeltern. Etwas Altes könnte eine alte Brosche, die Hochzeitshandschuhe der Mutter oder ihr Brautschleier sein, etwas Neues ein paar neue Ohrstecker oder auch die Brautschuhe, etwas Geborgtes könnte eine geliehene Halskette oder eine Haarnadel sein. Und das Blaue ist oft ein blaues Strumpfband, aber auch blaue Ohrringe, blaue Zehennägel oder eine blaue Blume im Brautstrauß sind möglich.

Pfennige (Cents) sammeln

Damit sollte die Braut ihre Sparsamkeit und somit ihre Fähigkeit, mit Geld umzugehen, beweisen. Konnte sie davon zur Hochzeit wertvolle Schuhe kaufen, traute man ihr auch zu, als Ehefrau für den Erhalt des Wohlstands zu sorgen.

Holzsägen

Das Brautpaar muss hierbei einen kräftigen Baumstamm, der den Weg versperrt, mit vereinten Kräften in der Mitte durchsägen. Sie sollen damit ihre Liebe beweisen. Außerdem soll es ihnen zeigen, dass man mit Mut und Liebe vieles überwinden kann. Der richtige Zeitpunkt für diesen Brauch ist nach dem Standesamt oder nach der Kirche.

Brot und Salz

Hochzeitsbrauch Brot und Salz

© Olga Sapegina – Fotolia

Brot und Salz, früher wichtige und kostbare Nahrungsmittel, sollten symbolisch ausdrücken, dass man dem Paar beim Einzug in die neue Wohnung wünschte, dass immer Wohlstand herrschen solle.

Brautstrauß werfen

Nach dem Brautwalzer versammelt die Braut die unverheirateten Frauen um sich und wirft mit geschlossenen Augen den Brautstrauß hinter sich in die Menge. Diejenige, die den Strauß fängt, soll die nächste Braut sein.

Hochzeitsspalier

Das Spalier wird meist von Freunden oder Kollegen gebildet. Dieser Hochzeitsbrauch verlangt vom Brautpaar zu zeigen, dass es in der Lage ist, Hindernisse in der Ehe zu überwinden und natürlich weißt der Brauch auch darauf hin, dass es diese in der Ehe durchaus geben könnte. Mit Besen oder Stöcken werden die frischgebackenen Eheleute auf ihrem Weg ins Glück gehindert.

Das ist natürlich sehr spielerisch gedacht. Heutzutage werden oft Rosen oder auch Gegenstände genommen, die man mit dem Brautpaar verbindet (z.B. Tennischschläger, wenn die Freunde vom Tennisverein das Spalier organisieren).

Die Farbe Rot

Früher glaubte man, das die Farbe Rot Hexen und böse Geister abwehren würde.

Das Strumpfband

Strumpfband - ein bekannter Hochzeitsbrauch

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Was für die unverheirateten Damen der Brautstrauß, ist für die unverheirateten Männer das Strumpfband, das der Bräutigam in die Menge der Junggesellen wirft. Auch hier soll der Fänger der nächste Bräutigam sein.

Auf manchen Hochzeiten wird auch das Strumpfband unter den männlichen Hochzeitsgästen versteigert.

Baum pflanzen

Als Symbol für den gemeinsamen Anfang wird am Tag der Trauung im eigenen Garten oder auf einer Grünfläche der Gemeinde (Erlaubnis erfragen) ein Bäumchen gepflanzt. Wenn Sie auf einer öffentlichen Fläche pflanzen möchten, dann sind Sie in der Wahl des Baumes wahrscheinlich festgelegt. Wenn Sie im eigenen Garten oder auch dem der Eltern einen Baum pflanzen, wählen Sie einfach eine Baumart, zu der Sie eine Beziehung haben.

Sie können auch den Tag der standesamtlichen Trauung wählen, falls Sie sich am Hochzeitstag erst bei der kirchlichen Trauung sehen möchten.

Rosmarinzweig

Der im Mittelmeerraum heimische Rosmarin ist eine alte Hochzeitspflanze. Er ist ein Symbol für die Liebe. Man konnte mit einer guten Ehe rechnen, wenn der zur Hochzeit gepflanzte Rosmarinstock gut gedieh, mit einer schlechten, wenn er einging. Oft wurde auch das bei der Hochzeit getragene Rosmarinzweiglein anschließend eingepflanzt. Schlug es Wurzeln und blühte es, stand die Ehe unter einem glücklichen Zeichen.

Regen am Hochzeitstag

Seien Sie nicht allzu traurig, wenn es an Ihrem Hochzeitstag regnet, denn er verspricht Ihnen viele glückliche Jahre. Diese Bedeutung entstammt der Tatsache, dass Regen eine reiche Ernte bringt – und Ihnen auch – in Form von vielen Kindern.

Ein Herz aus Bettlaken

Hochzeitsbrauch Bettlaken mit Herz

© Jörg Fietkau

Auf einem großen Bettlaken wird ein Herz aufgemalt, in das die Namen des Paares und das Hochzeitsdatum geschrieben werden. Die Brautleute müssen ihre Geschicklichkeit beweisen, indem sie mit zwei ganz kleinen Scheren das Herz gemeinsam ausschneiden. Dann steigen sie zusammen durch dieses geschnittene Loch. Oder es wird verlangt, dass der Bräutigam die Braut durch das Herz trägt.

Kranz am Hauseingang

Ein Bogen aus Blumen wird von den Freunden und Verwandten für das Brautpaar gebunden und am Eingang zu ihrem Haus angebracht.

Morgengabe

Die Morgengabe war ein Geschenk des Bräutigams oder seiner Familie an die Braut, das für sie als Absicherung für den Fall gedacht war, dass sie kurz nach der Eheschließung Witwe werden sollte. Da es üblich war, dass sie dann wieder zu Ihrer Familie zurückkehrte und sonst keine Ansprüche auf Unterhalt oder Vermögen hatte, stand sie dann nicht mit ganz leeren Händen da. Meist handelte es sich bei dem Geschenk um ein wertvolles Schmuckstück; in Adelskreisen konnten es schon auch große Ländereien oder auch eine Burg sein.

Entweder wurde die Morgengabe am Morgen der Hochzeit überreicht oder nach der Hochzeitsnacht.

Der wirtschaftliche Aspekt dieses Geschenkes ist heute überholt, zum einen, weil man sich für solche Fälle anders absichert, zum anderen sind die Frauen auch nicht mehr auf das Vermögen des Mannes angewiesen.

Aber die Idee einer Morgengabe als einem sehr persönlichen Geschenk am Hochzeitsmorgen oder auch beim Frühstück nach dem großen Hochzeitsfest, ist doch an und für sich sehr schön. So könnte sich jeder für den anderen etwas ausdenken, das vielleicht vor allem symbolischen Wert hat, weil es etwas ist, das mit der gemeinsamen Geschichte zu tun hat oder etwas, das zeigt, wie gut man den anderen kennt. Natürlich ist auch ein kleines Schmuckstück angebracht.

Brautbecher

Im 17. Jahrhundert war der Brautbecher das Geschenk zur Hochzeit. Oft wurde diese aufwendige Silberschmiedearbeit von einem zum anderen vererbt. Er galt als Symbol für eine im Glück ewige Verbundenheit. Durch die kunstvolle Herstellung ist es möglich, dass beide Partner gleichzeitig daraus trinken können. An dem großen Kelch ist anstelle eines Fußes eine Halterung, in die ein kleiner Becher eingehängt wird. Beide Becher werden vorsichtig gefüllt. Der Mann hält den größeren, die Frau den kleineren. Dann müssen beide die Kelche sehr behutsam an den Mund setzen. Auch eine gemeinsame Handlung, die Fingerspitzengefühl und ein Eingehen auf den anderen verlangt.

Hochzeitstorte

Alle Bräuche rund um die Hochzeitstorte finden Sie in unserem Artikel „Hochzeitstorte“.

Ursprung der Hochzeitsbräuche

Da eine funktionierende Ehe einen wichtigen Grundstein für ein zufriedenes Leben bildet und natürlich die Basis für eine Familie und Kinder ist, gibt es seit ewigen Zeiten „Maßnahmen“, um möglichst alle negativen Einflüsse auszuschließen.

So wurden, abhängig vom jeweiligen Aberglaube der Regionen, Bräuche entwickelt, um überall dort, wo sich böse Geister gegen die Eheleute stellen könnten, möglichst vorzubeugen. Eine ebenso große Rolle spielte die Fruchtbarkeit, war es doch von großer Bedeutung, dass das Paar Nachwuchs bekam, sei es, um den Titel zu erhalten oder den Familienbetrieb weiterzuführen oder ganz einfach, um viele Hände zu haben, die mithelfen und später die Eltern im Alter unterstützen konnten.

In einer Zeit, in der weit weniger Möglichkeiten existierten, einfach ein „neues Leben“ anzufangen, war die Wahl des richtigen Partners meist wirklich einmalig und eine große und zufriedene Familie eine sehr entscheidende Sache für den Verlauf des ganzen Lebens.

Manches hat sich sicherlich überholt. Viele Bräuche haben aber auch eine schöne Symbolik. Vielleicht möchten Sie das eine oder andere in Ihrem Sinne in Ihr Fest einbauen. Welchen Sinn Sie dem heute geben, ist einfach auch Ihnen überlassen. Manches ist auch einfach lustig und dient der Unterhaltung oder der schönen Gestaltung und bietet Abwechslung im Ablauf der Feier.

Manches dient auch einfach dem Verständnis der heute noch existierenden Sitten und Gebräuchlichkeiten.

Bei einigen Bräuchen geht es um den Übergang von einem Abschnitt in der anderen, der sicher auch Befürchtungen der einen oder anderen Art mit sich brachte, vor allem zu Zeiten, wo die jungen Frauen manchmal zum ersten Mal das Elternhaus verließen und das Paar vorher natürlich noch nicht probegelebt hat wie heute.